Lüttmannshagen Flucht

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Flucht im März 1945 aus Lüttmannshagen - Hinterpommern

1945: Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten

hier speziell: Flucht aus Lüttmannshagen in  Hinterpommern Anfang März 1945


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   Flucht 1945  


Flucht der Familie Guth aus Lüttmannshagen / Pommern ab 05. März bis 1. April 1945

Lüttmannshagen liegt etwa in der Mitte des Kartenausschnitts nördlich von Gollnow im Kreis Cammin

Ludwig Flint Kontakt, aus Neuss verfasste im Frühjahr 2000 als Nichtpommer aus Zeitungsberichten, Befragungen und Erzählungen verschiedener Personen aus Lüttmannshagen und Umgebung nach bestem Wissen folgenden Bericht. In der Zeitabfolge und ggf. auch im Text können Ungenauigkeiten möglich sein.

Zu Beginn des Jahres 1945 kam die russische Front bedrohlich näher. Mein Schwiegervater, Gustav Guth, hatte bei Beginn des Krieges in Polen gesehen, wie die Deutschen dort gehaust hatten. Er befürchtete nun deren Rache. In den Monaten Januar und Februar 1945 hatte er als Hilfspolizist in Hammer den Verkehr zu regeln. Die Straßen waren durch Flüchtlinge aus Ostpreußen verstopft. Auch hier hatte er von dem Verhalten der einrückenden Russen, insbesondere den Vergewaltigungen, gehört. Für ihn stand fest, dass seine Familie und besonders seine weiblichen Familienmitglieder, den Russen nicht in die Hände fallen durften.

Ende Februar / Anfang März 1945 wurden die Lüttmannshagener vom Ortsbauernführer Gaddun aufgefordert, Vorsorge für eine eventuelle Räumung des Dorfes zu treffen, den genauen Termin einer Räumung werde er noch übermitteln. Vorher dürfe der Ort nicht verlassen werden.

Der Russe war nicht mehr weit, das Kampfgeschehen aus der Ferne schon zu hören. Am Nachthimmel war im Nordosten Feuerschein von der nahenden Front am Himmel zu sehen. Insgeheim wurde daher die Flucht vorbereitet, obwohl dies ohne ausdrücklichem Befehl des Ortsbauernführers untersagt war.

Am Samstag, dem 3. März, brachte Gustav Guth noch die Milch zur Molkerei in das 15 km entfernte Gollnow, die aber schon nicht mehr angenommen wurde. Sein Ziel war es aber insbesondere, seine in Gollnow wohnende Tochter Irmgard mit ihren beiden Kindern, 2 und 4 Jahre alt, abzuholen. Irmgards Mann, Fritz Fehrmann, war Soldat im Westen, wo er am 4. März, also etwa zur gleichen Zeit, gefallen ist. Sein Grab befindet sich auf dem Soldatenfriedhof Weeze/Niederrhein. Irmgard entschied sich aber, bei der Familie ihres Mannes zu bleiben und mit denen zu flüchten.

Die Bewohner der ersten Häuser an der Straße von Lüttmannshagen, meist Handwerker und Privatpersonen, waren schon am Samstag, dem 3. März, mit der Eisenbahn abgefahren.

An 4. März trafen weitere Personen auf dem Bahnhof Kantreck ein, die mit dem Zug flüchten wollten. Meine Frau Friedchen hat sich am 4.3. abends um 22 Uhr von ihrer besten Freundin Mia Rohloff verabschiedet, deren Angehörige zu dieser Zeit bereits im Zug saßen. Dies brachte ihr noch Ärger mit ihren Eltern ein, bei der angespannten Lage und dem erst gut 14 Jahre alten Mädchen sehr verständlich. Die Freundinnen versprachen, sich gegeneinander zu schreiben. Daraus wurde nichts, denn niemand wusste später, wohin man schreiben sollte. Mia hatte es in die Gegend von Stendal verschlagen. Erst nach der Wende 1989 kam es zu einem Wiedersehen. Die Evakuierten fuhren laut dem Bericht von Otto Falck am 5.3. morgens vom Bahnhof ab.

In der Nacht vom 4. auf den 5. März wurde das zu einem Langwagen umgebaute Pferdefuhrwerk ohne behördliche Genehmigung beladen. Neben der notwendigen Bekleidung wurde der Wagen auch mit den Oberbetten bepackt. Als Plane diente ein Teppich. Besonderen Wert legte mein Schwiegervater darauf, genügend Hafer für das Pferd zu haben. Dies führte dazu, dass der Wagen mehrfach umgeladen wurde, denn Schwiegermutter wollte möglichst viel mitnehmen. Zum Essen nahm man nur Haltbares, besonders Geräuchertes mit. Meine Schwiegermutter wollte noch eine Gans schlachten, ihr Mann riet aber ab und verwies darauf, dass man unterwegs wahrscheinlich keine Zubereitungsmöglichkeit haben werde.

Aus dem nahe gelegenen, jetzt aber schon geräumten, Arbeitsdienstlager holten Friedchen und Dora sich noch je ein herrenloses Fahrrad.

So wartete man auf den Befehl des Ortsbauernführers zur Abreise. Es tat sich aber nichts.

In den Morgenstunden am Montag, dem 5. März, kam der Gefechtslärm immer näher.

Hierzu ein Bericht der Camminer Heimatgrüße Nr. 440 vom Oktober 2002: „Eine Panzerspitze der Russen kam am 5. März von Naugard und erreichte um 9.00 Uhr Trechel, 10.30 Uhr Schwanteshagen, 11.30 Uhr Zarnglaff, 12.00 Uhr Moratz, 13.00 Uhr Rackitt und 14.00 Uhr Pribbernow. Eine weitere Panzerspitze teilte sich: Die eine Hälfte war um 12.00 Uhr in Rothenfier, um 15.30 Uhr in Siegelkow, die andere Hälfte fuhr in Richtung Basenthin, Schwanteshagen, nach Kantreck, das um 15.30 Uhr erreicht wurde. Ein dort angekommener Treck fuhr größtenteils zurück. Personen aus Basenthin, Harmsdorf und Dischenhagen ist es gelungen, durch den Wald nach Gollnow oder Wollin zu entkommen. Eine andere Panzerspitze fuhr von Rackitt / Pribbernow nach Altsarnow. Nach Harmstorf kamen die Panzer erst am 7. März aus Kantreck. - In Kantreck gab es ein Massengrab, mit 23 Personen, davon 12 Selbstmorde. - In Hammer hatten die deutschen Truppen ausgelagerte Heeresbestände noch wegschaffen können. Schon am 5. März nachmittags sammelten sich die russischen Panzer in Hammer. Ein Teil fuhr über Hohenbrück in Richtung Stepenitz, wo sich noch die meisten Bewohner am 6. März per Schiff über die Oder retten konnten.“

So gegen 13 Uhr am Mittag des 5. März kam ein bekannter Müller mit seinem Fahrrad am Haus von Gustav Guth vorbei. Er war erstaunt, dass Guth`s noch nicht auf dem Weg waren und berichtete, dass die Russen schon in Schwanteshagen, etwa 10 km nordöstlich seien (um 10.30 Uhr, siehe oben). Der Gutsherrin dort habe man schon den gesamten Schmuck abgenommen.

Nun gab es für Gustav Guth kein Halten mehr. Meine Schwiegermutter ging noch mal ins Haus, beugte sich auf den Wohnzimmertisch und weinte bitterlich. Sie hatte zuvor noch alles gesäubert und geputzt, so dass mein Schwiegervater meinte: „Du hast se doch nicht alle. Was meinst Du, wie das hier aussieht, wenn die Russen hier erst hausen?“ Die Ställe wurden geöffnet, die Kühe und Schweine freigelassen, damit das Vieh sich selbst Futter suchen konnte.

Am 5. März 1945 gegen 14 Uhr begann die Reise bei strahlendem Sonnenschein für Gustav Guth, 47 Jahre, seine Frau Margarethe, 48 Jahre, Tochter Dora, 25 Jahre, mit ihrem dreijährigen Sohn, Tochter Friedchen, 14 Jahre und Tochter Rita, sieben Jahre. Tochter Irmgard, 27 Jahre, hatte es ja vorgezogen, mit ihren Schwiegereltern zu reisen. Tochter Christel, 21 Jahre, war als Krankenschwester in einem Lazarett in Swinemünde tätig. Sohn Willi, 23 Jahre, war als Soldat in russische Gefangenschaft geraten und wurde erst 1951 entlassen.

Sie verließen den geliebten Hof und den Ort Lüttmannshagen. Alle, die an der Straße wohnten, folgten sofort, so dass ein Treck von insgesamt etwa 15 Fuhrwerken zusammenkam. Viele Leute aus dem Ortskern Lüttmannshagen waren schon unterwegs. Man hörte dann, dass der Ortsbauernführer, auf dessen Treckbefehl man gewartet hatte, schon längst über alle Berge war.

Leute aus Dischenhagen waren laut Otto Falck schon gegen 11 Uhr in Hammer eingetroffen. Zu dieser Zeit hatten sich auch die Bewohner aus Hammer auf den Weg in Richtung Pribbernow gemacht.

Als der Lüttmannshagener Treck über die Brücke des Gubenbaches gefahren war, sagte mein Schwiegervater: „Guckt euch noch mal um, ihr werdet dies nie wiedersehen.“

Die Landstraße in Richtung Gollnow war laut Falck bereits seit dem 3.3. gesperrt. In Hammer wurde dem Treck die Weiterfahrt auf der Landstraße in Richtung Gollnow von den Militärs daher verweigert. Der Treck wurde angewiesen, etwa 20 km in den Wald Richtung Hohenbrück zu fahren und dort ggf. zu übernachten.

Der Treck, bestehend aus den Familien Guth, Gustav Stapel, Ziemann, Richard Stapel, Wobzer, Franz Wob, Karl Schubert, Kühl, Retzlaff, alle an der Straße ab Bahnhof Richtung Hammer wohnend, sowie Eickelbaum, Maas, Kurt, Pätzold, Wahl, Berghahn und Lüdtge/Deilmann, Heidenreich aus dem Ortskern, versammelte sich im Wald. Es begann zu schneien. Laut Otto Falcks Bericht setzten sich am 5.3. die deutschen Militärdienststellen aus Hammer, das kurz zuvor von dem Flüchtlingstreck aus Lüttmannshagen passiert worden war, ab.

Gegen Abend fuhr Franz Stapel in Begleitung der Tochter von Berghahn mit dem Fahrrad von Hohenbrück nach Gollnow.

Stapel kam bald zurück und berichtete, dass die Soldaten die Panzersperre schließen wollten. Wenn der Treck sofort kommen werde, würde man diesen noch durchlassen. Weiter wurde von Soldaten berichtet, dass der Russe bereits in Kantreck, also nur zwei Kilometer von Lüttmannshagen entfernt sei. Dort habe man sich allerdings zunächst über die Schnapsvorräte der Brennerei hergemacht, man wisse aber nicht, wann der nächste Angriff gestartet werde.

Wieder war es mein Schwiegervater, der die Initiative ergriff und sofort anspannte. Unter Murren schlossen sich die anderen an. Die Entscheidung war absolut richtig, wie aus dem Verlauf der Kampfhandlungen laut Camminer Heimatgrüße Nr. 440 zu entnehmen ist. An 6. März soll eine Panzerspitze der Russen bereits bis nach Stepenitz gekommen sein.

So schnell es eben ging, machte man sich auf den Weg. Inzwischen war auch schon gelegentlich Gewehrfeuer zu hören. Es wurde die Nacht im Trab durchgefahren. Die Fahrt ging über Amalienhof.

Gegen Abend des 6.3. war der Treck dann in Christinenberg vor Stettin-Altdamm. Die Bewohner Christinenbergs waren bereits am Morgen des 5.3. abgezogen. Man überlegte, die Nacht im Wald zu verbringen und tarnte die Wagen mit Sträuchern. Zuvor holte man sich Milch, die Soldaten von den dort frei herumlaufenden Kühen gemolken hatten. Die Soldaten schimpften mit den Frauen, dass sie sich so leichtsinnig in Gefahr begeben.

Wie auch die Christinenberger, wurde der Treck bei Hornskrug auf die Autobahn geleitet, die Stettin südlich in Richtung Berlin umgeht.

Auf dem Fluchtweg wurde der Treck immer wieder von Tieffliegern beschossen. Bei einem Tieffliegerangriff wurde die achtjährige Rita Guth an der Hand verletzt. Dora ging mit ihr zum Verbandsplatz. Auch hier wurden sie wieder beschossen. Man suchte Schutz in den Furchen des Feldes. Friedchen lag bei einem Beschuss auf dem Wagen. Ihr Vater befahl ihr, auf dem Wagen zu bleiben. Sie versteckte ihren Kopf in den Oberbetten. Später fand man Geschosse im Bett. Auf dem Wagen von Ziemann war ein etwa einjähriges Kind. Die Mutter konnte das Kind nicht schnell genug vom Wagen bekommen und deckte es daher mit Betten zu.

Das Kind erstickte und wurde jenseits der Oder zusammen mit einem anderen Kind beerdigt.

Nun hieß es, sofort weiter zu fahren, denn die Oderbrücke sei zur Sprengung vorbereitet. Allerdings wurde die Weiterfahrt durch das Militär behindert, das zuvor die Stadt Stargard verteidigt hatte.

Mein Schwiegervater schickte Friedchen mit einer Kanne zu den an den Straßen stehenden Häusern, um nach Kaffee zu fragen. Bei der ersten Familie wurden sie fortgeschickt. Die zweite Familie bat sie ins Haus, weil der Kaffee noch zubereitet werde müsse. In der Zwischenzeit könne sie schnell etwas essen. Es gab Gänsekeule. Sie saß aber auf heißen Kohlen, denn der Treck bewegte sich weiter. Inzwischen kam schon der Nachbar Stapel mit dem Fahrrad, um sie zu suchen. Auch Schwiegervater hatte sich voller Sorge zu Fuß auf den Weg gemacht. Als sie ihm entgegen kam, gab es zunächst einen Rüffel, dann aber nahm er ihr die schwere Kaffeekanne ab.

Noch vor der Oderbrücke kam der sogenannte Heldenklau: Alle nur halbwegs gesunden Männer wurden zum Volkssturm oder zu Schanzarbeiten herangezogen. Mein Schwiegervater wurde auch aufgefordert, sofort mitzukommen. Zu diesem Zeitpunkt war er aber allein mit seiner damals 14jährigen Tochter Friedchen auf dem Wagen, denn seine Angehörigen liefen vor, neben und hinter dem Wagen. So ließ man ihn weiterfahren.

Bei Friedensburg verließ man die Autobahn und erreichte unter weiterem Beschuss mit aller Kraft die Brücke über die Oder bei Güstow. Auf der Brücke baten Flüchtlinge aus Ostpreußen um Hilfe, aber jeder war zunächst für sich und seine Angehörigen verantwortlich. Angeblich soll diese Brücke kurz danach gesprengt worden sein. In der Nacht zum 17. März, also 11 Tage später wurden die Autobahnbrücken gesprengt.

Am Wegesrand lagen überall Leichen und getötete Pferde. Friedchen hatte ihr in Lüttmannshagen besorgtes Fahrrad schon längst irgendwo liegen lassen, denn in den Sandwegen konnte man sowieso nicht fahren.

Auf dem linken Oderufer war die größte Gefahr zunächst gebannt. In einer der nächsten Ortschaften, in Nadrensee, westlich der Autobahnabfahrt Kolbitzow, wurde Station gemacht. Zunächst wurde das Pferd, das bisher so gute Dienste geleistet hatte, versorgt. Man bekam eine Unterkunft auf einem Gut mit einer Brennerei. Hier war es warm, und man konnte sich nach mehr als 30 Stunden auch mal wieder waschen. Auch gab es etwas Warmes zu essen.

Schon am nächsten Morgen ging es unter schwierigsten Strapazen weiter.

Zum Treckführer war Karl Schubert bestimmt. Ihm war als nächstes Ziel das Dorf Grambow benannt worden, etwa 15 km westlich von Stettin an der R 113, das am 8.3. abends erreicht wurde. Hier wurde wieder Rast gemacht.

In Grambow lebten Bekannte, so dass zumindest die Mädchen im Haus in einem Sessel übernachten konnten. Die Schwiegereltern dagegen haben auf dem Wagen übernachtet. Seit dem 5.3., um 14 Uhr, also in etwa 80 Stunden, hatte man unter schwierigsten Bedingungen bei Tag und Nacht ca. 80 km, zumeist über Feldwege, zurückgelegt. Es war aber nur die erste Etappe.

Am Morgen des 9. März fuhr der Treck weiter. Der weitere Weg wurde von den Behörden vorgegeben. So kam es, dass man nicht Richtung Westen, sondern in Richtung Norden geleitet wurde. Am Abend des 9. März kam man in Hintersee, etwa 15 km vor Ückermünde, an. Die Gemeinde sollte die Flüchtlinge unterbringen und möglichst auch Stallungen für die Pferde bereitstellen. Tatsächlich übernachtete man aber im Wagen.

Hier traf die Familie Guth dann andere Bewohner des Ortskerns von Lüttmannshagen. Stapel hatte hier Verwandte und beschloss dort zu bleiben. Auch eine Tante von Friedchen traf man dort. Schwiegervater lud sie ein mitzukommen. Sie aber wollte bei den anderen bleiben.

Die Reise ging am 10. März weiter nach Ückermünde. Hier sollte in der überfüllten Turnhalle übernachtet werden. Die schon Anwesenden wiesen darauf hin, dass alles verlaust sei und man sich möglichst nicht hinlegen solle. So hat man versucht, die Nacht auch auf den Wagen zu verbringen. Verpflegt wurde man hier aus einer Gulaschkanone, bekam immerhin warmes Essen.

Der weitere Weg führte über Anklam, von wo aus man am 12. März 1945 den schlimmen Fliegerangriff auf Swinemünde sehen konnte. Alle verfügbaren Rettungskräfte wurden von Anklam nach Swinemünde beordert.

Die weitere Reise führte dann nach Demmin. Von hier ging es nach Richtenberg, südwestlich von Stralsund. Etwa am 20. März wurde hier für einen Tag geruht. In Richtenberg sollten die zur Konfirmation heranstehenden Kinder, so auch Friedchen, an Palmsonntag, dem 22.3.1945 konfirmiert werden. Die Konfirmation fiel aber aus, so dass die Reise am 22. oder 23.3. weiterging.

In Richtenberg bereitete man das Essen auf der Straße zu, wo aus Steinen eine behelfsmäßige Feuerstelle errichtet worden war.

Geschlafen wurde während der Flucht in Schafställen, Kuhställen, Scheunen, Schulen, im Wagen und gelegentlich bei Privatpersonen, so in Bad Segeberg bei einem Pastor. Auf der Reise erklärte eine Flüchtlingsfrau, sie habe die Nacht sehr gut und warm geschlafen. Es stellte sich heraus, dass sie auf einem Misthaufen übernachtet hatte. Ernährt haben sich die Treckflüchtlinge überwiegend von den mitgenommenen Lebensmittel. Gelegentlich erhielt man Verpflegung durch stationäre Küchen.

Die Flüchtige waren selten gern gesehen. In Mecklenburg hat ein Bauer meinem Schwiegervater sogar das Wasser für das Pferd verweigert.

Die Weiterfahrt führte in Richtung Rostock, Wismar, Ratzeburg, Bad Segeberg bis nach Friedrichsholm in der Nähe von Rendsburg, wo der Treck Ostern, am 1. April, eintraf.

In Friedrichsholm suchten sich die Bauern wie auf einem Sklavenmarkt die ihnen zugewiesene Personenzahl aus den angekommenen Flüchtlingen aus. Eine Familie mit sechs Personen konnte nicht an einer Stelle untergebracht werden, so dass Vater, Mutter und die jüngste Tochter zu einem und die zwei älteren Schwestern mit dem Kleinkind zu einem anderen Bauern kamen. Die Unterbringung meiner Frau mit Schwester und Kind erfolgte in einem Zimmer, in dem Stroh zum Schlafen auf der Erde lag. Hier starb der kleine 3jährige Sohn meiner Schwägerin. Die Schwiegereltern erhielten ein richtiges Zimmer.

Im Jahr 1946 zog die ältere Schwester zu ihrem Mann nach Gelsenkirchen. Meine Frau konnte dann zu ihren Eltern ziehen, musste aber weiterhin auf der Erde schlafen.

Zu Kampfhandlungen ist es in Schleswig-Holstein nicht mehr gekommen. Dennoch wurde mein Schwiegervater noch eingezogen und war bis zum Kriegsende am 8. Mai Soldat. Schwiegervater arbeitete anschließend bei dem Bauern. Meine Frau erhielt fürs Melken jeweils einen Liter Milch.

Von den ursprünglichen 15 Familien des Trecks sind einige in gutem Glauben in die Heimat zurück gefahren. Dort haben sie Vergewaltigungen, Mord und Totschlag ertragen müssen. Einige der Schulkameradinnen meiner Frau haben sich in einem Teich ertränkt.

 

Bis 1948 hatte mein Schwiegervater sein Pferd behalten können. Dann wurde ihm das Weiden des Pferdes untersagt und er musste es kurz vor der Währungsreform verkaufen.

1949 nahm Friedchen eine Stelle im Haushalt in Neuss an, wohin dann später auch ihre Eltern umziehen konnten.

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